Roland Zelger
Roland Zelger
Inhaber von Zelger Hörexperten
Was bedeutet Neugier für Sie?
Neugier bedeutet für mich, nicht beim ersten Eindruck stehenzubleiben. Es
heißt, offen zu bleiben für das, was hinter einer Situation, einem Menschen
oder einer Entwicklung steckt. In meinem Beruf als Hörakustiker, aber auch
als Inhaber des Unternehmens, ist Neugier sehr wichtig. Sie hilft uns, uns
weiterzuentwickeln. Wer Menschen mit Hörlösungen begleitet, muss neugierig
bleiben auf ihre Bedürfnisse und Lebenssituationen. Und wer als Unternehmer
weiterkommen möchte, muss neugierig bleiben auf neue Entwicklungen,
Möglichkeiten und Chancen am Markt.
Welches Wort verbinden Sie spontan mit Neugier?
Interesse.
Fällt Ihnen ein spezieller Moment ein, bei dem Neugier Ihr Leben oder Ihren Beruf besonders geprägt hat?
Es war nicht ein einzelner Moment, sondern eher eine Haltung, die sich über
viele Jahre entwickelt hat. Mich hat immer die Frage beschäftigt, warum
sehr gute technische Hörlösungen nicht automatisch reichen, damit ein
Mensch mit Hörverlust wirklich glücklich und zufrieden ist. Es reicht
nicht, einfach ein Hörgerät anzupassen. Man muss verstehen, wie jemand
lebt, welche Gespräche ihm fehlen, welche Unsicherheiten da sind und was
Lebensqualität für diese Person bedeutet. Diese Neugier auf den Menschen
hinter dem Hörverlust hat unseren Betrieb stark geprägt. Auch als
Unternehmer hat mich die Neugier auf Weiterentwicklung, neue Trends und
neue Möglichkeiten immer vorangebracht.
Wie schafft man es, eine echte Kultur der Neugier im Unternehmen zu etablieren?
Indem man Fragen von Kunden und Mitarbeitenden als Chance sieht, besser zu
werden. Eine Kultur der Neugier entsteht, wenn Prozesse gemeinsam mit den
Mitarbeitenden erarbeitet und verbessert werden. Dafür müssen Fragen
erlaubt sein: „Warum machen wir das so?“ oder „Geht es für den Kunden noch
besser?“ Dafür braucht es Vertrauen, Zeit und ein gutes Vorbild. Als
Unternehmer muss man selbst neugierig bleiben, zuhören, Neues ausprobieren
und auch zulassen, dass nicht jede Idee sofort perfekt ist. Besonders
wichtig ist mir, dass wir nicht nur auf Technik neugierig sind, sondern vor
allem auf Menschen und Prozesse.
Was war die beste Frage, die Ihnen jemals gestellt wurde?
„Was braucht dieser Mensch wirklich?“ Diese Frage klingt einfach, aber sie
verändert den Blick. Sie führt weg vom Produkt und hin zur Person. Gerade
in der Hörakustik ist das entscheidend.
Was weckt im Moment privat oder beruflich Ihre Neugier?
Beruflich interessiert mich sehr, wie neue Technologien – von künstlicher
Intelligenz bis zu immer ausgereifteren Hörlösungen – Menschen noch
individueller unterstützen können. Gleichzeitig beschäftigt mich die Frage,
wie wir bei all dieser Technik das Persönliche und Menschliche bewahren.