Michl Tschimben
Michl Tschimben
CEO PRIMA
Was bedeutet Neugier für Sie?
Zugeben, dass ich noch nicht alles weiß. Und das nicht als Schwäche verstehen, sondern als Anfang. Neugier fängt beim genauen Hinsehen an: Warum läuft es so und nicht anders? Warum ist das nicht besser gelöst? Wer aufhört zu fragen, verwaltet nur noch.
Welches Wort verbinden Sie spontan mit Neugier?
Warum. Fünf Buchstaben, die jede Selbstverständlichkeit ins Wanken bringen.
Fällt Ihnen ein spezieller Moment ein, bei dem Neugier Ihr Leben oder Ihren Beruf besonders geprägt hat?
Kein Moment. Eine Gewohnheit. Ich hinterfrage Abläufe und Lösungen ständig, auch die eigenen, gerade dann, wenn sie funktionieren. Das prägt mehr als jede große Weichenstellung. Es lässt Veränderung zu, bevor sie erzwungen wird. Wer kritisch bleibt, muss nicht warten, bis etwas bricht.
Wie schafft man es, eine echte Kultur der Neugier im Unternehmen zu etablieren?
Vertrauen. Leute müssen widersprechen und fragen dürfen, ohne im selben Atemzug bewertet zu werden. Meine Aufgabe ist nicht, die Antwort zu kennen. Sie ist, den Raum für die Frage offenzuhalten. Wo jede Frage als Kritik gilt, verstummen die Menschen. Und mit ihnen die guten Einfälle.
Was war die beste Frage, die Ihnen jemals gestellt wurde?
„Warum macht ihr das eigentlich so?" Ein Kunde, ohne Vorwurf, einfach ehrlich. Ich hatte keine gute Antwort. Nur die, dass wir es immer so gemacht hatten. Das war der Anfang von etwas Besserem.
Was weckt im Moment privat oder beruflich Ihre Neugier?
Beruflich: Wie künstliche Intelligenz unsere Arbeit besser macht, ohne Beziehung, Handwerk und Verantwortung zu verdrängen. Nicht was möglich ist, interessiert mich. Sondern was der Gast am Ende wirklich braucht. Privat: Bleibt es der Berg. Er stellt jeden Tag dieselbe schlichte Frage. Gehst du weiter?
Foto: © Alex Filz