Michael Oberhuber
Michael Oberhuber
Direktor Versuchszentrum Laimburg
Was bedeutet Neugier für Sie?
Neugier ist für mich die Triebfeder, Unbekanntes zu erkennen und zu verstehen. Das Unbekannte erzeugt oft Unbehagen – in der Wissenschaft, in Unternehmen und im Alltag. Wir ringen um Erklärungen. Neugier überwindet dieses Unbehagen. Die spannendsten Entdeckungen beginnen selten mit einer Antwort, sondern mit einem hartnäckigen Warum?
Welches Wort verbinden Sie spontan mit Neugier?
Triebfeder. Neugier ist die Energie, die Menschen dazu bringt, Bekanntes zu hinterfragen und Neues zu entdecken. Ohne Neugier gäbe es weder wissenschaftlichen Fortschritt noch Innovation.
Fällt Ihnen ein spezieller Moment ein, bei dem Neugier Ihr Leben oder Ihren Beruf besonders geprägt hat?
Der Aufenthalt am Scripps Research Institute in San Diego/Kalifornien war für mich ein prägender Moment. Dort habe ich nicht nur exzellente Wissenschaft erlebt, sondern vor allem gesehen, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen Innovation und unternehmerische Anwendung entstehen. Diese Verbindung von Forschung und Umsetzung hat meinen Blick auf Wissenschaft nachhaltig geprägt und begleitet mich bis heute in meiner Arbeit am Versuchszentrum Laimburg.
Wie schafft man es, eine echte Kultur der Neugier zu etablieren?
Neugier ist in der DNA einer Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers: Eine Kultur der Neugier entsteht dort, wo Menschen den Mut haben, Gewohntes zu hinterfragen und ihren Blick dorthin zu richten, wo andere nicht hingeschaut haben. Viele Nobelpreise haben dort ihren Ursprung.
Was war die beste Frage, die Ihnen jemals gestellt wurde?
„Woher wissen Sie, dass Ihre Annahme stimmt?“. Diese Frage hat mir häufig mein Doktorvater gestellt und bringt für mich den Kern wissenschaftlichen Denkens auf den Punkt. Wissenschaft lebt nicht vom Rechthaben, sondern vom Überprüfen. Oft entstehen die wichtigsten Erkenntnisse genau dort, wo wir lernen, unsere eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen.
Was weckt im Moment privat oder beruflich Ihre Neugier?
Moderne Labormethoden erzeugen ungeheure Datenmengen, die von einem Menschen allein nicht mehr ausgewertet werden können. Mich fasziniert aktuell, wie Künstliche Intelligenz genutzt werden kann, um aus diesen Daten ein tieferes Verständnis für biologische Systeme zu generieren. Gleichzeitig zeigt uns jede neue Technologie auch, wie viel Unbekanntes noch vor uns liegt. Je tiefer wir in Pflanzen, Böden und Mikroorganismen
hineinschauen können, desto deutlicher wird, wie wenig wir wissen – und genau das macht Forschung so spannend.
Foto: © Laimburg/Ivo Corrà