Roger Pycha
Roger Pycha
Psychiater
Was bedeutet Wahrheit für Sie?
Wahrheit ist eine Überzeugung, die mir selbst dann bleibt, wenn ich mich und sie kritisch hinterfrage.
Welches Wort verbinden Sie ganz spontan mit der Wahrheit?
Suche. Bei der Suche nach der Wahrheit verhält es sich wie mit dem Weg und dem Ziel: Der Weg ist das Ziel.
Wie wichtig ist es Ihnen, die Wahrheit zu sagen, auch wenn es unangenehm sein kann?
Ich tue das meistens gern sanft, manchmal sehr draufgängerisch, polternd, und selten… gar nicht.
Wie wägen Sie den Wahrheitsgehalt einer Aussage ab?
Das macht mein dorsolateraler präfrontaler Cortex für mich, glaube ich. Ich kann es nicht gut erklären. Meistens bin ich so gutgläubig, dass man mir fast alles erzählen kann. Weil ich den Menschen glauben möchte. Das hat dann viel mit Beziehung und wenig mit Wahrheit zu tun.
Wo bräuchte es mehr Wahrheit?
Es bräuchte den Prozess der Wahrheitssuche meistens länger und intensiver. Das Ganze ermüdet, und dann gibt man sich, gebe ich mich, mit einer Variante von alternativen Fakten ab, der ich nicht ganz traue. Aber ich finde nichts Besseres, wenn ich müde bin.
Welche war Ihre letzte (Not)Lüge?
Womöglich sogar meine letzte Aussage im Satz vorher. Es ist doch alles so konstruiert, dass ich tun sollte, als verstünde ich Vieles, und tue es doch nur teilweise. Ist das schon Lüge, oder Verdrehung, oder nur Vereinfachung? Meine letzte sichere Lüge war die Erklärung, dass ich immer weiß was ich tue.