Benjamin Profanter
Benjamin Profanter
Bäckermeister & Brot-Sommelier
Was bedeutet Wahrheit für Sie?
Etwas Wahres sollte echt und authentisch sein - sei es als Information, Wissen oder als Produkt. Gleichzeitig muss man mit der Wahrheit vorsichtig sein und sie laufend hinterfragen, denn Wahrheit ist facettenreich und ab und an auch ambivalent wenn jemand sein subjektive Wahrheit kundtut. Aus dem Kontext gerückt, oder mit der falschen Perspektive, kann Wahrheit missbräuchlich verwendet werden und Fehlinformationen liefern. Oft wird aus Teilaspekten eine „alternative“ Wahrheit konstruiert. Wahrheit kann zudem auch missverstanden werden.
Welches Wort verbinden Sie ganz spontan mit der Wahrheit?
Dass es nicht die „eine“ Wahrheit gibt. Wenn es darum geht Recht zu haben, dann ist Wahrheit in vielen Dingen nicht nur schwarz oder weiß. Über Wahrheit lässt sich vortrefflich streiten. Ich selbst bin einer Meinung mit dem Philosophen Sokrates, weil „ich weiß, dass ich nichts weiß“. Auf der anderen Seite gibt es viel zu viele Menschen die ihre eigene Wahrheit in die Welt posaunen, auch wenn sie vom Thema null Ahnung haben, total daneben liegen und gleichzeitig der Wahrheit und anderen Meinungen die Relevanz entsagen.
Wie wichtig ist es Ihnen, die Wahrheit zu sagen, auch wenn es unangenehm sein kann?
Im Grunde genommen sehr wichtig. Es kommt aber darauf an zu erkennen, wie das Gegenüber auf die Wahrheit reagiert, wie ich sie verpacken kann und wieviel ich von der Wahrheit preisgebe, um nicht zu verletzen. Der Zwischenmenschlichkeit und Empathie wegen ist es ratsam, sich oftmals mit der Wahrheit hinter dem Berg zu halten oder die Wahrheit gezielt und benutzerfreundlich zu dosieren.
Wie wägen Sie den Wahrheitsgehalt einer Aussage ab?
Wenn ich die Aussage nicht selbst verifizieren kann, dann versuche ich die Herkunft und die Intention der Information zu erkennen. Ich versuche also, zwischen den Zeilen zu lesen und möchte erkennen, ob vielleicht nur eine Seite der Medaille dargestellt wird oder ob eine Lüge für den Absender nicht doch von größerem persönlichen Vorteil wäre. Mal kurz sich selbst „cui bono“ zu fragen, bringt oft erstaunliche Tatsachen zutage.
Wo bräuchte es mehr Wahrheit?
In der Lebensmittelbranche. Gerade in der Industrie wird oft sehr gutes Marketing betrieben und hochverarbeitete Nahrungsmittel zu „gesunden“ Lebensmitteln stilisiert. Da der Großteil der technologischen Hilfsstoffe deklarationsfrei ist, hat der Konsument anhand der Zutatenliste keinerlei Möglichkeit zu erkennen, was alles an Zusatzstoffen für ein vermeintlich natürliches Produkt verwendet wird. Auch die Rohstoffherkunft wird oft gern verschleiert. Wenn man von „clean labeling“ spricht, dann geht es im Grunde darum den kritischen Konsument hinters Licht zu führen.
Welche war Ihre letzte (Not)Lüge?
Wenn ich zuhause mir auferlegte Haus- und Heimwerkerarbeiten auf die lange Bank schiebe, dann finde ich gern Ausflüchte dafür. Meine Frau kann ein Lied davon singen.