Freitag, 20. September 2019
Eurac Research Bozen

Die Schönheit & das BIP

Competitive Identity oder vernachlässigbarer Wert?


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Südtirols Wirtschaft wächst und wächst. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP)/Kopf gehört Südtirol zu den reichsten Regionen Europas. Nur, was kommt jetzt? Kann das BIP die allein entscheidende Messgröße für unser Wohlbefinden sein? Welchen (verborgenen) Wert hat Schönheit in der Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft? Wie wichtig ist Schönheit für unser Glück und Wohlbefinden? Droht Südtirol die Schönheit - sein größtes Asset - zu vernachlässigen? Beim 11. Global Forum Südtirol (GFS) zum Thema „Die Schönheit & das BIP – Competitive Identity oder vernachlässigbarer Wert?“ am 20. September in der Eurac Research in Bozen gingen internationale Experten zusammen mit mehr als 350 anwesenden Teilnehmern diesen Fragen auf den Grund.


Robert Kennedy hatte bereits 1968 eine klare Meinung dazu: „Das BIP misst alles, außer dem, was das Leben wirklich lebenswert macht“. So misst das BIP weder die Qualität von Bildung, Gesundheit und ökologischer Vielfalt, noch die ungleiche Einkommensverteilung. Auch der Beitrag von Innovation, Forschung & Kreativität findet nur marginale Berücksichtigung. Die gute Nachricht: neue, ergänzende und alternative Indikatoren zum BIP werden vermehrt eingesetzt und diskutiert. Wie sieht es aber mit der Dimension der Schönheit aus? Könnte Südtirol die Schönheit zu einem zentralen Markenkern oder sogar als Vision definieren?

Eröffnet wurde das 11. GFS durch einen Impulsvortrag von Roland Psenner, dem Präsidenten der Eurac Research, sowie durch Christian Girardi, dem Gründer und Organisator des Global Forum Südtirol. „Südtirol gilt nicht nur als eine der reichsten, sondern auch schönsten Regionen Europas. Die Schönheit, auf welche unser wirtschaftlicher Erfolg und unser Wohlbefinden basieren, wurde in den letzten Jahrzehnten teilweise vernachlässigt. Es lohnt sich deshalb umso mehr, das Bewusstsein für die Schönheit zu stärken und in der Triade Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft zu durchleuchten und - warum nicht - als Vision zu definieren?“, unterstreicht GFS Gründer und Organisator Christian Girardi.

Bruno Frey, Schweizer Ökonom und Pionier der Glücksforschung ging in seinem Vortrag mit dem Titel „Schönheit, Glück, Wirtschaft - ein kraftvolles Terzett“ auf die zahlreichen Zusammenhänge zwischen Schönheit, Glück und wirtschaftlichem Erfolg ein. „Schönheit ist insbesondere für eine Region wie Südtirol natürlich von großer Bedeutung. Offensichtlich erkennbar an der Schönheit der Landschaft und der Umgänglichkeit der Menschen, die in ihr leben. Beides sind Faktoren die die Wirtschaft und Lebenszufriedenheit sehr stark stimulieren. Um so mehr lohnt es sich ein besonderes Augenmerk auf die Bewahrung der Schönheit zu legen.“, bringt es Frey auf den Punkt.

Es folgten die Ausführungen der deutschen Glücksministerin Gina Schöler zum Thema „Höher, schneller, weiter mehr? - warum wir mehr Glück im Unternehmen brauchen“, die dazu aufgerufen hat, das Bruttonationaglück zu steigern. „Glück und Wertschätzung sind kein "Nice to have" sondern entscheidend für eine positive gesellschaftliche Entwicklung und eine gesunde Unternehmenskultur“, zeigt sich Schöler überzeugt.

Abschließend betrat Stefan Sagmeister, einer der weltweit renommiertesten Designer und zweifacher Grammy-Award Gewinner, die Bühne. Mit seinen Ausführungen zum Thema „Why Beauty matters“ veranschaulichte er anhand von Bespielen aus Architektur, Design und Wissenschaft, dass Schönheit mehr ist als eine rein oberflächliche Strategie und eben nicht nur subjektiv und im Auge des Betrachters liegt. „Es gibt eine überraschend breite Übereinstimmung, was wir als schön empfinden. Wir fühlen uns nicht nur anders, wenn wir von Schönheit umgeben sind, sondern wir verhalten uns auch anders“, so Sagmeister.

Auch die über 350 Teilnehmer konnten sich an der spannenden Debatte beteiligen. Die Veranstaltung wurde mit einem Streichquartett der Musikhochschule Monteverdi und der Intervention „The Pursuit of Happiness“ von Designstudenten der Freien Universität Bozen umrahmt. Moderiert wurde das 11. GFS von Dorotea Mader.

ORF Südtirol Heute – „Schönheit als Vision“, 20.09.2019
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