Christoph Gamper
Christoph Gamper
CEO und Miteigentümer der Durst Group
Was bedeutet Neugier für Sie?
Der Motor, nicht das Beiwerk. Julius Durst hat seinen Vergrößerer gebaut, weil ihn eine unscharfe Einstellung gestört hat, nicht, weil er einen Businessplan hatte. Alles beginnt bei einem „Das muss doch besser gehen“.
Welches Wort verbinden Sie spontan mit Neugier?
„Warum?“ Mein Lieblingswort, und der Schrecken jeder Sitzung.
Fällt Ihnen ein spezieller Moment ein, bei dem Neugier Ihr Leben oder Ihren Beruf besonders geprägt hat?
Ich komme aus dem oberen Vinschgau. Dort lernt man früh: man geht, oder man bleibt. Meine Neugier hat mich nach New York, Zürich, São Paulo, Shanghai gehen lassen, ohne zu vergessen, wo ich herkomme.
Wie schafft man es, eine echte Kultur der Neugier im Unternehmen zu etablieren?
Indem man Fragen wichtiger nimmt als schnelle Antworten. Weniger, aber besser, auch bei den Fragen. Und indem Führungskräfte selbst zugeben, wenn sie etwas nicht wissen. Neugier stirbt in dem Moment, in dem Rechthaben wichtiger wird als Verstehen.
Was war die beste Frage, die Ihnen jemals gestellt wurde?
„Und, hast du keine Angst?" Höchstens, fällt mir der Himmel auf den Kopf. Sonst nicht - ich fühle mich beschützt, von meiner Familie, meinem Team und den besten Kunden um mich herum. Die Frage hat mir gezeigt, worauf ich wirklich baue.
Was weckt im Moment privat oder beruflich Ihre Neugier?
Beruflich, wie weit industrielle Intelligenz Produktion wirklich verändert, Maschinen, die aus Daten lernen. Privat alles, was meine Tochter mich fragt, und welche Schallplatte als Nächstes auf meinem Plattenspieler landet. Und ehrlich: Was Turing wohl zu heute sagen würde. Sein Porträt hängt mir gegenüber und fragt mich jeden Morgen, ob ich mir genug zutraue.
Foto: © Martin Lugger