Carolina Riffeser
Carolina Riffeser
Employer Brand Officer & Head of HR Cavallino Bianco Family Spa Grand Hotel
Was bedeutet Neugier für Sie?
Für mich bedeutet Neugier, sich ständig Fragen zu stellen und Dinge nicht einfach so zu akzeptieren, wie sie sind. Ich finde es wichtig, bestehende Denkweisen zu hinterfragen und verstehen zu wollen, warum etwas so ist. Genau dort beginnt für mich echte Neugier – nicht beim Suchen nach schnellen Antworten, sondern beim Mut, die richtigen Fragen zu stellen.
Diese Haltung begleitet mich sowohl privat als auch beruflich.
Welches Wort verbinden Sie spontan mit Neugier?
Verstehen. Denn für mich beginnt Neugier immer mit dem Wunsch, Menschen, Situationen und Zusammenhänge besser zu verstehen.
Fällt Ihnen ein spezieller Moment ein, bei dem Neugier Ihr Leben oder Ihren Beruf besonders geprägt hat?
Ja, definitiv während meines Studiums in den USA. Ich hatte mich ursprünglich für einen Bachelor of Business Administration mit Schwerpunkt Management eingeschrieben. Im Laufe des Studiums wurde mir zusätzlich die Möglichkeit angeboten, eine Spezialisierung in Psychologie zu absolvieren – obwohl ich bis dahin keinerlei Vorkenntnisse in diesem Fach hatte. Aus Neugier habe ich diese Herausforderung angenommen. Ich wollte verstehen, wie Menschen denken, Entscheidungen treffen und was sie motiviert. Rückblickend war das eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Wie schafft man es, eine echte Kultur der Neugier zu etablieren?
Eine Kultur der Neugier entsteht meiner Meinung nach nicht durch Vorgaben, sondern durch die richtige Haltung. Menschen müssen sich trauen, Fragen zu stellen, Ideen einzubringen und auch Bestehendes zu hinterfragen. Führungskräfte sollten dabei mit gutem Beispiel vorangehen und selbst neugierig bleiben. Für mich beginnt Neugier immer mit der Bereitschaft, Fragen zu stellen. Denn nur wer fragt, ist auch bereit zu lernen. Ich mag den Satz: „Wer aufhört, besser sein zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein.“ Genau diese Einstellung braucht es auch in Unternehmen. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Ich glaube außerdem, dass Neugier oft dort entsteht, wo Raum zum Nachdenken vorhanden ist. Kinder sind von Natur aus neugierig, weil sie die Welt entdecken wollen. Heute sind wir dagegen ständig von Informationen und Reizen umgeben. Vielleicht stellen wir deshalb manchmal weniger Fragen als noch vor 20 Jahren, obwohl wir Zugang zu so viel Wissen haben.
Was war die beste Frage, die Ihnen jemals gestellt wurde?
Ganz einfach: „Warum machen wir das eigentlich so?“ Diese scheinbar einfache Frage begleitet mich bis heute. Sie erinnert mich daran, Routinen nicht einfach zu übernehmen, sondern regelmäßig zu hinterfragen. Oft entstehen die besten Ideen genau dann, wenn man den Mut hat, den Status quo infrage zu stellen.
Was weckt im Moment privat oder beruflich Ihre Neugier?
Mich beschäftigt aktuell besonders, wie sich Führung und Unternehmenskultur durch den Generationenwechsel verändern. Was motiviert Menschen heute? Welche Erwartungen haben sie an ihren Arbeitgeber? Und wie können wir als Unternehmen ein Umfeld schaffen, in dem unterschiedliche Generationen erfolgreich zusammenarbeiten?
Ich bin überzeugt, dass die Unternehmen der Zukunft nicht diejenigen sind, die auf alles sofort eine Antwort haben, sondern diejenigen, die bereit sind, weiterhin die richtigen Fragen zu stellen, voneinander zu lernen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.